Die Tour
In Oberstdorf empfiehlt
sich der bahnhofsnahe Fahrradverleih von Familie Hasselberger
(Telefon 08322/44 67), welche auch
Vorbestellungen entgegennimmt und immer wunderbare Räder bereitstehen hatte.
Warum Räder?
Es ist weit bis in das hintere Oytal, und ein Rad ist eine
willkommene Sache dabei.
Am besten fährt man geradewegs über die Hauptstraße durch den Ort, nimmt die Oststraße in Richtung Nebelhornseilbahn, biegt an der Schrofengasse aus dem Getümmel rechts ab, gelangt in den ruhigen denkmalgeschützten Teil des Ortes, wo noch echtes Heu eingefahren wird und die abendlich heimkehrenden Kühe ihren Stall finden. Hier gibt es auch prima Unterkünfte und Ferienwohnungen.
Schon mal vormerken: Die Pizzeria bei Alberto an der Ecke Schrofengasse/Oststraße, wo sich hervorragende Studien an der italienischen Küche anstellen lassen ...
Zurück zum Thema: Nachdem man ein Stück in die Schrofengasse gefahren ist, biegt man links ab und folgt dem kleinen Weg immer geradeaus. Man gelangt am Minigolfplatz vorbei zur Brücke über die Trettach. Hinter der Brücke biegt man rechts in die Wiesen ab....
Man betritt die Natur pur.
Nun folgen wir dem Weg entlang der Trettach bis zum Cafe Jägerstand (Achtung: Samstag leider Ruhetag). Sollte das Wetter schön sein, so macht es Freude, dort einzukehren und den wunderbaren Ausblick in das Tal zu genießen. Eine gute Einstimmung.
Trettachtal mit gewitterumwölktem
Kratzergipfel
vom Cafe Jägerstand betrachtet
Nun geht es kurze Zeit später rechts ab, den Oybach entlang ins Oytal. Hier überraschen uns oft wunderbare Lichtspiele auf dem Wasser des Baches, zuweilen bis spät in den Morgen Nebelschichten über dem Bach.
Anmerkung vom 24.8.2005:
Nach dem überraschenden Hochwasser inmitten des August fehlen derzeit nicht nur
80 Meter Straße in Richtung Birgsau, die fortgerissen worden sind, auch der Steg
vom Jägerstand zum Oytal ist nach Auskunft unserer Gastgeber wie schon 1999
komplett hinweggerissen worden. Zufahrtsweg zum Oytal müsste also jetzt über die
Fahrstraße gehen, das heißt anfangs ein paar Serpentinen bergauf und dann
gemütlich auf der leicht ansteigenden Straße mit wunderbaren Ausblicken in die
Täler von Stillach und Trettach irgendwann nach Osten abbiegend in den Wald
hinein zum Oytalhaus. Weiß jemand Genaueres? Dann bitte ich um eine Mail an
christian-appelt@infomedic.de
.
Wir lassen das - uns trotz der guten Küche für solche Unternehmungen zumeist zu überfüllte Oytalhaus links liegen und fahren weiter in Richtung Talende. Wir überqueren die Brücke und folgen dem Weg bis zur Guten-Alpe - ein bescheidener und trotzdem wunderbarer Rastplatz.
Die Guten Alpe im hinteren Oytal
Helge genießt die Zeit für eine kleine
Stärkung
Erster Blick auf die Höfats (rechts)
Nach der Guten Alpe marschieren wir ohne Räder weiter in Richtung Käser Alpe. Der Weg zieht sich durch den Talgrund, steigt dann ein Stück an, durchquert einen Bergbach, der von Norden herabgeschossen kommt (bei Hochwasser gibt es seitlich ein Brücklein, welches im Sommer 2005 ziemlich wackelig gewesen ist) und nun heisst es aufgepasst:
Anmerkung vom 24.8.2005:
Steht das Brücklein nach dem Hochwasser noch?
Rechtsseitig taucht zum ersten Mal der Höfatsgipfel auf. Spüren Sie genau, was sich auf den nächsten Metern des Weges ändert. Stellen Sie Ihre Antennen auf! Reagieren Sie so wie eine Katze, die Witterung aufnimmt.
Es ändert sich etwas
in der "Luft".
Es ändert sich etwas in der Stimmung!
Was ändert sich?
Verharren Sie hier eine Weile!
Gehen Sie dann weiter. Sie erreichen die Weggabelung, wo der Weg kurz hinter dem links vom Weg stehenden Prinzenkreuz über eine stabile Fahrbrücke den Laufbach überquert und sich dann anschickt in schwungvollen Bögen bergauf zu führen. Die Perspektive ändert sich!
Schauen Sie sich die
Perspektive detailliert an. Dringen Sie mit den Augen in das Bergmassiv vor. Sie
entdecken einen Einschnitt, der eine Perspektive in eine reglerecht urzeitlich
anmutende Welt freigibt.
Sie schauen in die schroffen Rinnen des Rauenhals Tobels, die direkt hinauf zum Gipfel führen sowie in das alte Terrain der Rauenhals Alpe. Droben gibt es irgendwo im Gewirr der Felsen eine kleine Holzhütte, zuweilen ein paar bimmelnde und blökende Schafe. Aber diese ist in diesem ersten Teil nicht unser Ziel. Wir erkunden das Terrain weiter.
Lassen Sie diese
Eindrücke der Rinne auf sich wirken!
Was lösen die Bilder in Ihnen aus?
Versuchen Sie zu schauen, also die Eindrücke ohne Durchdenken wahrzunehmen!
Lassen Sie die Landschaft in sich hinein!
Schauen Sie wie urtümlich sie wirkt!
Was empfinden Sie?
Es ist wie ein Spalt in dem großen Berggebiet, welches einen verwitterten Einblick in sein Inneres ermöglicht. Wir sehen Bilder, die uns selbst an diffuse uralte Erinnerungen gemahnen, die möglicherweise in unserem Unbewussten schlummern - C.G. Jung hat solche Erinnenrungsmuster als Archetypen bezeichnet. Noch einmal:
Lassen Sie diese
Eindrücke der Rinne auf sich wirken!
Was lösen die Bilder in Ihnen aus?
Versuchen Sie zu schauen, also die Eindrücke ohne Durchdenken wahrzunehmen!
Lassen Sie die Landschaft in sich hinein!
Schauen Sie wie urtümlich sie wirkt!
Was empfinden Sie?
Gehen Sie nun weiter. Lösen Sie sich von dem Blick. Der Weg zieht sich am Nordhang der Höfats weiter bergauf, einige Zeit später stehen Sie nahezu senkrecht unter einem Nebengipfel der Höfats namens Seilhenker (ein männlicher Name!!!) und begegnen dem Stuibenwasserfall.

Verharren Sie auch hier an diesem willkommenen Pausenplatz. Und wiederum spüren Sie! Nehmen Sie Witterung auf!
Lassen Sie diese
Eindrücke des Stuibenfalls auf sich wirken!
Was lösen die Bilder in Ihnen aus?
Versuchen Sie zu schauen, also die Eindrücke ohne Durchdenken wahrzunehmen!
Lassen Sie die Landschaft in sich hinein!
Schauen Sie wie urtümlich sie wirkt!
Was empfinden Sie?
Nach einer Weile steigen Sie weiter bergauf, der Weg macht einige schwungvolle steile Serpentinen, und endlich erreichen Sie das Hochtal mit der Käser Alpe und sehen sich dem östlichen Gipfelanblick der Höfats gegenüber. Sie schauen genau in das so genannte Rote Loch zwischen den beiden Gipfeltürmen.
Machen Sie hier wieder eine Pause. Eine gute Stelle für ein Radler und eine zünftige Käseplatte. Lassen Sie die Höfats von hier auf sich wirken.
Lassen Sie diese
Eindrücke des Ostseitengipfels auf sich wirken!
Was lösen die Bilder in Ihnen aus?
Versuchen Sie zu schauen, also die Eindrücke ohne Durchdenken wahrzunehmen!
Lassen Sie die Landschaft in sich hinein!
Schauen Sie wie urtümlich sie wirkt!
Was empfinden Sie?
Lassen Sie uns nach einer schönen Pause wieder den selben Weg hinab gehen bis wir kurz vor der Brücke über den Oybach links eine Fahrspur erkennen, die sich Richtung Geröllrinne zieht. Wir folgen dieser Spur umsichtig. Schauen Sie sich diesen Pflanzenreichtum an, die Größe der Pflanzen, die Dicke der Stängel, die Größe und Anzahl der Blüten einer Pflanze. Wo haben Sie je diesen Reichtum gesehen?
Verfolgen Sie die Fahrspur und halten Sie sich dann weitere geradeaus bis auf die Geröllrinne zu. Biegen Sie dort südwärts parallel zur Rinne ab. Schreiten Sie langsam und spürend bergauf. Irgendwann erreichen Sie einen Stein, etwas linkerhand der Geröllrinne. Wenn Sie die Gegend erspüren, werden Sie direkt auf diesen Stein zulaufen. Es zieht Sie dorthin. Den Stein erkennen Sie am quadratischen Grundriss (ist er zugehauen worden, oder ist er quadratisch vom Berg herabgefallen???) und an dem Kleinbiotop auf seiner Oberfläche, wo sich Steinchen, Erde und eine Reihe von Gräsern, Flechten etabliert haben.
Die Fahrspur zweigt vom Fahrweg zur Käseralpe wenige Minuten
nach Passieren des Prinzenkreuzes rechtsseitig ab.
Das Betreten des Rauenhals Tobels ist wie ein Gang durch einen urtümlichen Garten
Machen Sie hier eine Rast. Setzen Sie sich auf den Stein, ohne die Gräser umzuknicken. Schauen Sie nacheinander in alle Himmelsrichtungen: Nach Norden auf die Wände des Schnecks; Nach Osten auf den Waldhang in Richtung Stuibenfall, nach Süden in den Tobel hinein und zum Gipfel hinauf, nach Westen in die Waldreihe hinein.
Lassen Sie diese
Eindrücke des Ortes auf sich wirken!
Was lösen die Bilder in Ihnen aus?
Versuchen Sie zu schauen, also die Eindrücke ohne Durchdenken wahrzunehmen!
Lassen Sie die Landschaft in sich hinein!
Schauen Sie wie urtümlich sie wirkt!
Was empfinden Sie?
Chris auf dem "Stein" mit Blick nach Süden
Lassen Sie sich viel Zeit zum Spüren!
Was machen Ihre Gedanken?
Welche Themen kommen und gehen?
Wie fühlen Sie sich? Wie fühlt sich der Ort an?
Lassen Sie sich viel Zeit! Keine Eile! Achten Sie höchstens ab und zu auf mögliche Gewitterwolken, die aus dem Westen in Richtung Oytal ziehen. Im Sommer 2005 war dies ein absolutes Thema....
Wenn Sie genug pausiert & gespürt haben, so ist es auch genug für diesen Tag!
Beschließen Sie, diesen Ort zu verlassen. Verabschieden Sie sich innerlich von der Höfats.
Was spüren Sie?
Was für innere Bilder entstehen?
Steigen Sie nun vorsichtig und langsam auf den Weg zurück. Lassen Sie das Erlebte in dieser Bedächtigkeit nachwirken, ausklingen.
An der Guten Alpe wartet das Radl auf Sie. Fahren Sie bewusst nicht zu schnell nach Oberstdorf zurück. Kleiner Tipp: Machen Sie noch eine Station am Cafe Jägerstand. Dort, wo unsere Runde eigentlich begann, beenden wir sie mit dem schönen Blick auf die mäandrierende Trettach.
Eine gute Sache, bevor wir nach Oberstdorf in den Ortsrummel zurückkehren.
Uns war dieser Rummel nicht angenehm, darum haben wir die Pizzeria "Bei Alberto" als ruhig und doch schon zentral gelegenen lukullischen Eckpunkt erwähnt - sehr zu empfehlen. Wenn Sie dort einkehren, grüßen Sie die kleine schwarze Katze aus der Nachbarschaft von uns....
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Möchten Sie diese mitteilen?
Dann mailen Sie mir diese doch!
Wenn es sich anbietet, baue
ich diese Berichte natürlich nur mit Ihrem Einverständnis in dieses Web ein.
Mailen Sie an christian-appelt@web.de
Alles hat seine Zeit:
Tja, und wer nur (aber immerhin) ein kleines Zeitbudget hat, der muss nun langsam das Radl bei den Hasselbergers abgeben und leider den Zug, vielleicht den letzten ALEX nach München heimwärts nehmen.

Eines wird Ihnen in jedem
Fall auffallen!
Dieses Mal spüren Sie keine Wehmut beim Abreisen, im Gegenteil:
Erfüllung!
Und wenn Sie wie wir in München im CNL "POLLUX" zurückrollen, können Sie den Tag noch einmal bei einem Gläschen Revue passieren lassen und dann friedlich der Heimat entgegenschlummern.
Was Helge und Christian durch den Kopf, den Körper und vor allem das Herz ging, das lesen Sie unter der Rubrik