Seien Sie willkommen


Chris  -  von Helge im Sommer 2005 auf dem
Brückchen vor dem Cafe Jägerstand abgelichtet

Diese kleine Website handelt von Erlebnissen rund um einen Allgäuer Berg namens Höfats. Es ist der Versuch, das Erlebnis der Begegnung mit dem Berg zu deuten und eine Art "Anleitung" für alle interessierten Bergfreunde anzubieten, wie sie ebenfalls diesbezüglich aktiv werden können, wenn sie einem Berg intuitiv begegnen wollen. Die Höfats ist ein besonderer Berg, kein Zweifel, und wenn Sie Interesse haben, dann lesen Sie weiter und erfreuen Sie sich an den vielen schönen Fotos. Möglich, dass Ihnen das eine oder andere Aha-Erlebnis kommt, und vielleicht trifft man sich ja einmal am Herz der Dinge...

Meldung vom 28. Juli 2006: Kaum zu glauben, wie viele Zugriffe diese Seite bereits wenige Tage nach ihrem Freigeben im Sommer 2005 bekommen hat und wo sie schon verlinkt worden ist. Es freut mich sehr. Vielen Dank für all die spannenden Beiträge!
Im Juli 2006 besuchte ich die Hoefats erneut, allerdings ohne Freund Helge, welcher einen Beinbruch auskurieren muss. Insofern habe ich unserer genaueren Erforschung des Rauenhals Tobels nicht vorgegriffen. Es gab trotzdem mehr als genug zu entdecken. In den nächsten Wochen wird sich also noch manch neues Material hier versammeln.

Auf der Galerie Seite sind neue Fotos, insbesondere von geheimnisvollen Plaketten-Wegweisern rund um die Höfats Gegend zugefügt worden.
Chris

Los geht's:

Es gibt im Leben von uns allen den Moment, wo der vordergründige Anfangspunkt für eine beliebige Begebenheit gesetzt werden kann, auch wenn sich die Fäden unserer daran beteiligten Handlungen in grauer Vorzeit verlieren mögen.

Bei mir waren es eine ganze Abfolge von Tagen im Frühherbst des Jahres 1980, als ich mit einer Schulgruppe - selbst 17jährig - auf einer 7 tägigen Bergwanderung rund um Oberstdorf den seltsamsten Berg erblickte, den ich je gesehen hatte. Dieser Berg stand am 5. Tag unserer Wandertour nach Überschreiten eines Grates plötzlich im Fokus meines Blickes. Er wurde in den kommenden Stunden umrundet.

Die Höfats aus westlicher Perspektive fotografiert von Boris
www.gipfelsuechtig.de

Es war jener Gipfel, der "Höfats" genannt wird und als die Königin der Allgäuer Alpen bezeichnet wird. Unser damaliger Weg führte oberhalb von Oberstdorf von der Kemptener Hütte des DAV zum Edmund Probst Haus am Nebelhorn.


Die  Höfats  im  Licht  der  untergehenden  Sommersonne
direkt nach Vorbeiziehen eines schweren Gewitters
die Perspektive ist nebulös durch den
noch in Strömen fallenden Regen.

Inmitten der vielen Gipfel steht mit gigantischen Ausmaßen und irgendwie das gesamte Oberstdorfer Bergareal dominierend ein Bergkomplex, der sich in einer Vielzahl von schroffen und spitzen Nebengipfeln endend aus den Trogtälern des Oytals des Dietersalpentales erhebt und sich archaisch in den Himmel reckt.

Weit über die 2000 Höhenmeter hoch sind die Wände, vom Tal bis zu den Gipfeln mit grünem Gras bewachsen, das im Herbst zu einer braunen Färbung neigt.

Seltsamerweise fiel mir bereits damals eine tiefe Verbundenheit mit der Höfats auf, ich konnte gar nicht genug von diesem Berg bekommen, malte ihn daheim, vergrößerte jene Fotos und pflasterte die Wände damit. Schon bald bemerkte ich bei meinen weiteren Aufenthalten in den vielen Bergalpen und -gaststätten die zahlreichen Holzschnitte, Stiche und Zeichnungen mit Motiven von diesem Gipfel.


Zeichnung mit der Höfats über Gerstruben

Keine zünftige Alpe in jener Region ohne entsprechende gerahmte Bilder an den Wänden, kein Abend mit den Alten der Region, bei dem es nicht nach einem guten Rotwein um dramatische oder geheimnisvolle Geschichten geht, die sich um die Höfats, ihre Erstbesteigungen und ihren floralen Schatz, das viele Edelweiss drehen.

Ja vor allem das Edelweiss - diese vielleicht berühmteste Alpenblume - scheint es den jungen Männern in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts besonders angetan zu haben. Kaum zu zählen, so meint der Zuhörer, sind die Namen jener Unglücklichen, die auf der Suche nach einigen Blüten für die Liebste ihr Leben ließen.

Warum musste es auf der Höfats gesucht werden, wo es doch auch anderswo (Laufbacher Eck usw.) leichter erreichbare Standorte gibt?

Wer weiss, wie viele Gebeine bis heute in den unerreichbaren Schrunden stecken? Einige wurden gefunden, viele nicht, manche nach dem Tauwetter in den Geröllrinnen, Reste von Haut & geborstenen Knochen.

Vom Laufbacher Eck hat man einen fantastischen Ausblick auf den nordseitigen Höfats Komplex, der etwa 1000 Meter über das Oytal aufragt. Ein Blick, der das Herz weit werden lässt, alles vereinnahmend.  Man möchte Flügel haben und losfliegen, in weiten schwungvollen Bögen hinab, getragen von den Aufwinden das Massiv umkreisen - ja und dann irgendwo am Nordhang der Höfats in einer uralten Zeit landen....

Das mag für jene Menschen, die nie hier gewesen sind, seltsam klingen. Aber selbst das bodenständige seriöse Magazin BERGE textet genau zu diesem Ausblick in der Ausgabe 1999-März/April:

"Und dazwischen soviel Luft,
daß man sich Flügel wünscht.
(Seite 7)"

Wie viele Jahre habe ich inzwischen diese Gegend besucht, erwandert, wie oft bin ich dort gewesen, warum eigentlich? Tief im Innern war es vor allem die Sehnsucht nach diesem Bergmassiv - und nach der herrlich klaren Luft. Ich schaute mir stundenlang die Fotos in schlechten Tagen an, und es gab mir Kraft. Zuweilen standen mir die Tränen in den Augen, wenn ich nach beschwerlichen Monaten wieder vor Ort war. Und diese schweren Monate gab es mehr als genug.


Die Höfats vom Prinzenkreuz gesehen

Erst über die Jahrzehnte erfuhr ich, dass es einer nicht zu zählenden Gruppe Menschen ähnlich, wenn nicht gar genauso ergangen ist und ergeht. So mancher empfindet einen Schmerz in der Brust, wenn er auf seiner letzten Wanderung in diesem Urlaub den Gipfel hinter den Blicke begrenzenden Linien der anderen Bergketten verschwinden sieht, sei es, dass ihn die Nebenhornbahn viel zu schnell bergab trägt, sei es, dass er den Gleitweg ins Oytal bereits weit hinab geschritten ist, sei es was auch immer ...

Kaum einer von ihnen geht ohne das Versprechen, das da lautet: "Ich komme wieder, und wenn es das Letzte ist, was ich tun werde."

Diese Menschen sind im alltäglichen Berufsleben Ingenieure, Ärzte, Selbständige, Angestellte, ganz normale Menschen, die ihr Herz an einen Gipfel verloren haben, den sie in der Regel nie erstiegen haben - indes bewundern, belauschen, erfühlen.

Solche Berichte häufen sich zum Beispiel in dem Restaurantwagen des stets gut gefüllten Intercity Zuges nach Dortmund - insbesondere an Samstagen.

Es ist - das wurde mir nach Jahren klar - ein nach Innen fühlen im Zustand des nach Außen Schauens. Man ist beim Betrachten der Höfats  zugleich dabei Einblicke zu erhalten, Einblicke in sich selbst, in die eigenen Herzensdinge.


Das Höfats Massiv - Perspektive vom Seealpsee aus

Die Höfats, so unser Eindruch, wirft den Betrachter auf sich selbst zurück. Auf seine besagten Herzensangelegenheiten.

Wie kommt das?

Theorien und Meinungen gibt es in Hülle und Fülle.

Besonders interessant ist die Erkenntnis des Psychotherapeuten Stanislav Grof, welcher in seiner Arbeit seit den 50er Jahren erkannt hat, dass uns bewegende und erfahrene Dinge in eine Art kollektives Gedächtnis übergehen und nach etwa 30 Jahren weltweit in Traummaterial eingearbeitet wird.  So ist auch zu erklären, dass Menschen, die niemals vor Ort gewesen sind, in geführten Fantasiereisen, wie sie gerade zur Therapie bei schweren Schmerzen eingesetzt werden, unter Anderem dieses Bergmotiv erleben.

Wie ich aus eigener Erfahrung weiss, taucht die Höfats inzwischen in solchen therapeutischen Tiefenentspannungsübungen als Selbstheilungsmotiv auf.

Wie immer steckt bei solchen Häufungen von Geschichten und Eindrücken  mehr dahinter als nur "Spinnerei". Man tut gut daran,  zuzuhören.

Für viele Geschichtenerzähler, Kletterer und Berghelden verschiedenster Couleur  scheint dieser Berg interessanterweise eindeutig und nicht nur des Namens wegen als weibliche Qualität gedeutet und empfunden worden zu sein. Es gibt gegenüber der Höfats auch das krasse Gegenteil. Oft wurden wir in Gesprächen auf den Schneck verwiesen, jenen scharfkantigen Koloss, der das Oytal im Nordosten überragt, scharfkantig, steil, ebenfalls bis oben hin begrünt, oftmals tödlich. Der Schneck wird ganz klar "männlich" empfunden.

Schneck & Höfats - ein archaisches Paar? Beide verbindet die selbst an nahezu senkrechten Felswänden bis zum Gipfel aufsteigende Grasnabe.

 

Der Schneck aus nördlicher Perspektive fotografiert von Boris
www.gipfelsuechtig.de

 

Wir wollten es genauer wissen!

Es wurde eine Überraschung - eine Konfrontation mit einem Reichtum an Blumen und Gräsern, wie ich sie noch nirgendwo sonst im Allgäuer Bereich gesehen habe - mit einer Ausnahme vielleicht, und das ist im Bacherloch auf dem Weg von Einödsbach zum Waltenberger Haus und weiter zur Mädelegabel (wieder ein weiblicher Berg...).


Helge, abgelichtet von Chris am 11.8.2005
auf dem Weg zum Herz der Dinge

>>>  weiterlesen >>>